Under der linden
an der heide,
dȃ unser zweier bette was,
dȃ mugt ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

(Walther von der Vogelweide, 1170-1230)

Unter der Linde
auf der Heide,
wo unser beider Lager war,
da könnt ihr finden
– schön ja beide –
gebrochene Blumen und das Gras.
Vor dem Wald in einem Tal
– tandaradei –
sang sehr schön die Nachtigall.

Miniatur. Ein Paar umarmt sich unter einem stilisierten Baum mit roten Blüten. Rechts ist eine Nachtigall.
Miniatur aus dem Codex Manesse

Die Situativergänzung

  • bezeichnet eine lokaleSituation, in der ein Geschehen eingebettet ist.
  • kann
    – mit einer Nominalgruppe
    – mit einem Nebensatz
    realisiert werden.
  • verbindet sich in den Nominalgruppen mit einer Präposition, die eine eigene deutliche Bedeutung hat. Die Präposition gibt nämlich an, ob es sich um ein Befinden in oder neben oder hinter usw. einem Ort handelt. Ähnlich wie in der Direktivergänzung wird in der Situativergänzung die Präposition einerseits von der eigenen Bedeutung und andererseits vom begleiteten Nomen (oder Pronomen) bestimmt.

Anders als bei der Präpositivergänzung wird die Präposition der Situativergänzung nicht vom Verb bestimmt. Der Unterschied zwischen beiden Ergänzungen kommt in den Anaphern zum Ausdruck. In der Situativergänzung muss nämlich die Präposition nicht unbedingt auftreten, während in der Präpositivergänzung die Präposition entweder das Nomen (oder das Pronomen) begleitet oder im Präpositionaladverb auftritt.