Under der linden
an der heide,
dȃ unser zweier bette was,
dȃ mugt ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

(Walther von der Vogelweide, 1170-1230)

Unter der Linde
auf der Heide,
wo unser beider Lager war,
da könnt ihr finden
– schön ja beide –
gebrochene Blumen und das Gras.
Vor dem Wald in einem Tal
– tandaradei –
sang sehr schön die Nachtigall.

Miniatur. Ein Paar umarmt sich unter einem stilisierten Baum mit roten Blüten. Rechts ist eine Nachtigall.
Miniatur aus dem Codex Manesse

Die Situativergänzung

  • bezeichnet eine lokaleSituation, in der ein Geschehen eingebettet ist.
  • kann
    – mit einer Nominalgruppe
    – mit einem Nebensatz
    realisiert werden.
  • verbindet sich in den Nominalgruppen mit einer Präposition, die eine eigene deutliche Bedeutung hat. Die Präposition gibt nämlich an, ob es sich um ein Befinden in oder neben oder hinter usw. einem Ort handelt. Ähnlich wie in der Direktivergänzung wird in der Situativergänzung die Präposition einerseits von der eigenen Bedeutung und andererseits vom begleiteten Nomen (oder Pronomen) bestimmt.

Anders als bei der Präpositivergänzung wird die Präposition der Situativergänzung nicht vom Verb bestimmt. Der Unterschied zwischen beiden Ergänzungen kommt in den Anaphern zum Ausdruck. In der Situativergänzung muss nämlich die Präposition nicht unbedingt auftreten, während in der Präpositivergänzung die Präposition entweder das Nomen (oder das Pronomen) begleitet oder im Präpositionaladverb auftritt.

Beispiele

Nominalgruppe: Präposition + Nomen (+ Attribute)
Wir verbringen unseren Urlaub in den Bergen.
Wir verbringen unseren Urlaub in den Bergen in der Nähe von Salzburg.
Wir verbringen unseren Urlaub in den Bergen, wo wir auch voriges Jahr waren.

Anapher: Ortsadverb da, dort, hier…, Präpositionaladverbien
Da haben wir unseren Urlaub verbracht.
Wo habt ihr euren Urlaub verbracht?

Nebensatz
Robert wohnt noch, wo er schon immer gewohnt hat.

Zu beachten: welche Präposition?

  • Ähnlich wie in der Direktivergänzung ist auch in der Situativergänzung das Nomen (oder das Pronomen) für die Wahl der Präposition entscheidend.
  • Mit Nomina und Pronomina, die auf Personen verweisen, steht die Präposition bei.
    Wir waren gestern bei Frau Bode.
    Wir waren gestern bei ihr.
  • Mit dem Wort Haus gebraucht man zu.
    Bleiben Sie heute Abend zu Haus?
  • Bei Städte- und Ländernamen steht die Präposition in (mit dem Dativ, wenn sie mit dem Artikel gebraucht werden!).
    Wir waren noch nicht in Berlin.
    Warst du schon in der Schweiz?
    Warst du schon in den USA?
  • Bei den anderen Nomina wird die Präposition je nach der Position gewählt, die sie ausdrücken muss.
    Im Kühlschrank ist kein Bier mehr.
    Auf dem Tisch liegen Zeitungen und Zeitschriften.
    Unter dem Tisch ist ein großer Teppich.
    Über dem letzten Stock ist eine schöne Terrasse.
    Bonn liegt am Rhein.
    Neben dem Dom steht jetzt ein modernes Gebäude.
    Das Hotel liegt zwischen dem Dom und dem Rathaus.
    Hotel Dom liegt direkt vor dem Dom.
    Hinter der Kirche erstreckt sich eine grüne Wiese.

Passiv

Die Situativergänzung eines aktiven Satzes bleibt im passiven Satz unverändert.
Wir parken das Auto in der Ulrichstraße.aktiv
passiv: Das Auto ist in der Ulrichstraße geparkt worden.